Wer kann sich Gerechtigkeit leisten? Über Geld, Klasse und Macht
Marlene Engelhorn , Mareice Kaiser , Daniela Brodesser , Bao-My Nguyen
Geld ist einer der mächtigsten Sortiermechanismen unserer Gesellschaft und zugleich ein großes Tabu. Wir sprechen über Leistung, Konsum und Aufstieg. Viel seltener darüber, wer erbt, wer verzichten muss, wer Sicherheit kaufen kann und wer jeden unerwarteten Hunderter fürchten muss.
Marlene Engelhorn, Mareice Kaiser und Dani Brodesser bringen drei Perspektiven zusammen, die in Debatten über Ungleichheit selten gleichzeitig vorkommen. Engelhorn macht sichtbar, wie große Vermögen gesellschaftliche Macht erzeugen. Brodesser kennt Armut, Beschämung und Ausschluss aus eigener Erfahrung und zeigt, wie schnell ökonomische Not zur individuellen Schuld erklärt wird. Kaiser beschäftigt sich journalistisch mit Klasse, Geld, Arbeit und sozialem Aufstieg und untersucht die Geschichten, mit denen wir Ungleichheit erklären und legitimieren.
Warum gilt Armut als erklärungsbedürftig, Reichtum aber als normal? Wer darf über Geld sprechen, ohne sich rechtfertigen zu müssen? Welche Rolle spielen Herkunft, Geschlecht und familiäre Ressourcen für Chancen und Teilhabe? Und wie verändern digitale Öffentlichkeiten diese Debatte, wenn Menschen ihre Erfahrungen mit Armut, Vermögen und Klassismus selbst sichtbar machen?
Social Media können Perspektiven hörbar machen, die klassische Medien lange übersehen haben. Gleichzeitig belohnen Plattformen Zuspitzung, Individualisierung und die immer gleiche Erfolgsstory vom persönlichen Aufstieg. Wie erzählen wir über strukturelle Ungleichheit, ohne Armut zur privaten Tragödie und Reichtum zur Lifestyle-Frage zu machen?
Am Ende steht eine demokratische Kernfrage: Wie viel Ungleichheit hält eine Gesellschaft aus, bevor sie zerbricht?