Plädoyer für öffentlich-rechtliche Medien
Es ist im Moment schwer, in Österreich eine Lanze für öffentlich-rechtliche Medien zu brechen. Ein Skandal jagt beim ORF den nächsten. Aber mit den öffentlich-rechtlichen Medien ist es wie mit der Demokratie, von der schon Winston Churchill sagte, sie sei die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von denen, die wir schon vorher ausprobiert haben. Sie sind nicht ideal, haben viele Schattenseiten und Schwächen, aber sind das beste, das wir derzeit haben.
Die Menschen in Österreich, Deutschland und der Schweiz leben in relativem Wohlstand und Frieden und besitzen einen Pass, der sie überall hinbringt. Ein Teil dieser Privilegien sind auch die öffentlich-rechtlichen Medien, die uns allen gehören. Das ist eine Errungenschaft, über die man nicht jeden Tag nachdenkt, wie man nicht über den alltäglichen Frieden, den Pass und andere Privilegien nachdenkt.
Ich kenne die mediale Kehrseite dieser Welt gut. Ich lebe und arbeite in Ländern, in denen es nur staatlich gelenktes Fernsehen gibt; in Ländern, in denen der Intellekt jeden einzelnen Tag durch die Medien beleidigt wird; in Ländern, in denen autokratische Regierungen den Medien vorschreiben, was sie den Untertanen mitzuteilen haben.
Öffentlich-rechtliche Medien sind der Sauerstoff für eine funktionierende Demokratie. Und wenn sie zerstört werden, verlieren wir alle.
Ein arabisches Sprichwort sagt: „Erst wenn der Brunnen trocken ist, lernt man das Wasser zu schätzen“. Lassen wir es nicht so weit kommen. Die öffentlich-rechtlichen Medien gehören uns allen. Wir müssen sie gegen die Kaputtmacher von außen, aber eben auch gegen die inneren Schattenseiten verteidigen. Lassen wir den Brunnen nicht austrocknen.