Der Aufstieg von KI und Robotik: Welche Auswirkungen hat dies auf die Arbeitswelt?

Der Aufstieg von KI und Robotik: Welche Auswirkungen hat dies auf die Arbeitswelt?

Lia Musitz , Doris Vogl , Michael Soder

Deutsch
Interview
Politik & Gesellschaft
#Arbeit #Demokratie #Gewerkschaft #Technologie
Nicht nur China treibt Robotik und Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI) rasant voran. Die Veranstaltung beleuchtet Chinas industriepolitischen Ansatz, den konkreten Einsatz von BCI am Arbeitsplatz sowie die arbeitsrechtlichen und ethischen Implikationen für Europa.

China hat in den letzten 20 Jahren im globalen Technologiewettlauf massiv aufgeholt und ist mittlerweile in den meisten der als kritisch eingestuften Schlüsseltechnologien weltweit führend. Möglich wurde dies durch eine staatliche Planung, die Zielsetzungen, Umsetzungsmaßnahmen und Akteure eng verzahnt: Industriestandards werden gezielt vorgegeben, Wissensaustausch zwischen Forschung und Industrie wird in Innovationszentren organisiert, noch bevor Unternehmen in Konkurrenz zueinander treten, und Pilotprojekte samt Infrastruktur entstehen bereits vor der eigentlichen Markteinführung.

Humanoide Robotik ist dafür ein Paradebeispiel: China ist seit 2025 weltweit erster Massenproduzent, der praktische Nutzen bleibt bislang aber noch begrenzt. Parallel dazu beschleunigt sich der Ausbau von Gehirn-Computer-Schnittstellen: Seit 2025 verfolgt China eine flächendeckende Verbreitung von Smart Devices und KI-Agenten, ergänzt um eine eigene BCI-Strategie. Im Industrie- und Energiesektor kommen nicht-invasive BCI bereits am Arbeitsplatz zum Einsatz – offiziell zur Gefahrenreduktion, mit Ausweitung auf White-Collar-Bereiche absehbar.

Für die EU stellt sich die Frage, wie mit dieser Entwicklung umzugehen ist. Eine kurzfristige Einführung von BCI am Arbeitsplatz ist aufgrund von EU-Recht und nationalem Arbeitsrecht nicht zu erwarten, faktischer Druck auf Arbeitnehmer:innen zur Nutzung – etwa über Nachteile bei Ablehnung – ist jedoch ein reales Risiko. Diskutiert werden auch fehlende EU-spezifische Regulierung für BCI, die Frage, ob AI-Act, DSGVO, Grundrechtecharta und Arbeitnehmer:innenschutz ausreichend Schutz bieten, sowie die Bedeutung von Konzepten wie Gedankenfreiheit und kognitiver Selbstbestimmung. Auch eine kritische Einordnung der chinesischen "Freiwilligkeit" des BCI-Einsatzes angesichts schwacher Datenschutz- und Arbeitsrechtsstandards gehört zum Themenfeld.